Wie Dauerstress die Haut zum Blühen bringt

31. August 2020 | Ganzheitlich schön


Inhalt:
1. Was Stress ist und warum wir ihn eigentlich brauchen.
2. Körper, Geist, Seele & Haut: Wie Stress sich auf unseren Körper und unsere Haut auswirkt.
3. Das typische Stress-Schönheitsszenario.
4. Fazit

Stress geht unter die Haut

Du rennst von Arzt zu Arzt und suchst nach Ursachen und Lösungen für Dein Hautproblem? Du hast bereits gefühlt jedes Pflegeprodukt mit Anti-Pickeleffekt ausprobiert? Aber ohne Erfolg!?
Kannst Du Dir vorstellen, dass der Auslöser Deines Hautproblems vielleicht gar nichts mit Deiner Haut zu tun hat? Bestimmt hast Du schon mal gehört, dass Körper und Seele eng zusammenhängen. Aber wusstest Du auch, dass Stress verantwortlich sein kann für Deine unreine Haut? Einer aktuellen Studie zufolge werden 75% aller Hautprobleme durch Stress und einem damit einhergehenden Ungleichgewicht der Hormone ausgelöst.

1. Was Stress ist und warum wir ihn brauchen


Eines vorweg: Grundsätzlich ist unsere Reaktion auf Stress überlebenswichtig und ein gewisser Stresspegel auch durchaus gesund. Würden wir über diese Fähigkeit nicht verfügen, wären wir auch nicht in der Lage unsere täglichen Aufgaben zu erledigen, geschweige denn in Ausnahmesituationen wie Prüfungen oder sportlichen Wettwerben Höchstleistungen zu erbringen.

Unser System ist von je her perfekt darauf ausgerichtet, um in einer akuten Ausnahmesituation alle Kräfte zu mobilisieren und blitzschnell auf Bedrohung mit Kampf oder Flucht zu reagieren. Diese Fähigkeit sichert uns seit vielen tausenden von Jahren unser Überleben.

Cortisol und Adrenalin

Der Körper antwortet auf zweierlei Weise auf Stress: Zum einen reagiert das Nervensystem und zum anderen werden die Stresshormone Cortisol und Adrenalin aktiviert. Cortisol ist das wichtigste Stresshormon und koordiniert unsere Körperprozesse und Organe unter Stress. Ist der Körper in Alarmbereitschaft, sorgt es dafür, dass unser Herz schneller schlägt, Muskeln und Gehirn mit Energie versorgt werden und sich die Atemfrequenz erhöht. Dafür fährt Cortisol die Energie in anderen Organsystemen herunter. Nicht überlebenswichtige Funktionen wie Verdauung, Immunsystem oder die Produktion von Geschlechtshormonen werden unterdrückt oder abgeschwächt.

 Ist die Gefahr vorbei, wird der innere, biochemisch entstandene Druck wieder abgebaut. Diese zweite Phase entfällt heute oft. Wir befinden uns in einem Stressgefängnis. Der Säbelzahntiger ist zwar inzwischen ausgestorben, dafür lösen heutzutage permanenter Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit, ein Leben gegen die eigenen inneren Überzeugungen oder mangelnder Gestaltungsspielraum im Job die gleiche biochemische Reaktion im Körper aus. Vor allem die Altersgruppe der 30 – 39jährigen erreicht einer Stress-Studie der Technikerkrankenkasse aus dem Jahr 2016 Spitzenwerte in der Stressbelastung. Besonders die Frauen fühlen sich durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf in der „Rushhour“ ihres Lebens stark gefordert. In dieser Phase bauen viele ihre Karriere auf und erziehen gleichzeitig Kinder.

Was kurzfristig sinnvoll und überlebenswichtig ist, verursacht jedoch langfristig gesundheitliche Störungen im Körper:

2. Körper, Geist, Seele & Haut – wie sich Stress auf unseren Körper und unsere Haut auswirkt


Hormonchaos


Hormone regulieren als Botenstoffe sämtliche Vorgänge in Körper, Psyche und Haut.
Stress bringt dein Hormonsystem durcheinander. Muss der Körper vermehrt Stresshormone bilden, drosselt er gleichzeitig die Produktion von Geschlechtshormonen wie Östrogenen, Progesteron und Schilddrüsenhormonen. Wird das empfindliche Gleichgewicht der Hormone gestört, entstehen Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit, Schilddrüsenstörungen und unreine Haut. Hormonelle Schwankungen stehen vor allem in Zusammenhang mit Akneschüben, die ca. ein bis zwei Wochen vor der Menstruation einsetzen. Stress und Ängste führen zu einem Anstieg von DHEA. Es hebt den Spiegel von Wachstumshormonen an und baut sie dann zu Testosteron ab. Ein hoher DHEA Spiegel macht sich durch ölige Haut und fettige Haaransätze bemerkbar. Manche Frauen haben einfach deshalb hohe Androgenspiegel, weil sie ständig gestresst sind.

Insulinresistenz

Um Organe und Muskeln bei Stress schnell mit Energie versorgen zu können, erhöht der Körper den Glucosespiegel im Blut, was wiederum zu einer ständigen Insulinausschüttung führt. Viele Frauen leiden heute bereits in jungen Jahren in Folge von Stress und stark kohlenhydrathaltiger Ernährung (Weißbrot, Süßkram, Kuchen etc.) an Insulinresistenz, einer Vorstufe von Diabetes. Wenn der Blutzuckerspiegel steigt, führt das zu einem plötzlichen Insulinausstoß und dieser führt wiederum zu einer erhöhten Talgproduktion und einer übermäßigen Vermehrung von Hautzellen, welche die Poren verstopfen.

Reizdarm

Auch unser Magen- und Darmmilieu verändert sich unter Stress. An der Universität Innsbruck wurde gezeigt, dass sich unter permanenter Anspannung großflächige Entzündungen im Darm bilden. Es gibt eine eindeutige Verbindung zwischen Stress und dem Reizdarmsyndrom, sowie anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Aus der Forschung weiß man auch, dass Stress die Anzahl der „guten Bakterien“ (Laktobazillen und Bifidobakterien) reduziert und eine Überwucherung der Darmschleimhaut mit „schlechten Bakterien“ fördert. Die geschwächte Darmbarriere wird „löchrig“ und durchlässig, (man spricht dann auch von einem sogenannten „leaky gut Syndrom“). Durch diese Löcher in der Darmschleimhaut gelangen schlechte Bakterien und unvollständig verdaute Nahrungsproteine in den Blutstrom und verursachen Entzündungen und Immunreaktionen, die dann in Form von Pickeln und Entzündungen wiederum auf der Haut sichtbar werden.
Ein gesunder Darm, wiederum, macht uns widerstandsfähiger. Im Tierversuch waren Mäuse, die mit Probiotika gefüttert wurden, deutlich stressresistenter als ihre Artgenossen.

Nährstoffmängel

Stress ist ein Nährstoffräuber. Bei jeder Stresssituation, die durch Cortisol beantwortet wird, verbraucht der Körper große Mengen an Magnesium, B-Vitaminen und Vitamin C.
Gleichzeitig werden Nährstoffe unter Stress sehr viel schlechter aus dem Darm aufgenommen.

Schwaches Immunsystem

Stress schwächt das Immunsystem. Unser Immunsystem befindet sich ununterbrochen in einer empfindlichen Balance. Es reagiert äußerst sensibel auf Störungen. Darüber hinaus hat es einen hohen Bedarf an Nährstoffen, die in Folge von Stress ebenfalls schon im Mangel sind. Häufige Erkältungen und eine verzögerte Wundheilung sind die Folge.

Entgiftung

Jeder spricht heutzutage über Detox und wie wichtig es für eine schöne Haut ist. Dabei entgiftet unser Körper ständig. Er baut über drei Phasen Giftstoffe ab und transportiert sie dann über die Ausscheidungsorgane Leber, Niere und Darm zuverlässig aus dem Körper. Vorausgesetzt er bekommt dafür alle notwendigen Stoffe. Es gibt kaum einen Mikronährstoff*, der nicht direkt oder indirekt an der Entgiftung beteiligt ist. Fehlt ein Stoff kommt die Entgiftung ins Stocken. Sind die Ausscheidungsorgane überlastet, versucht der Körper die Abfallstoffe über die Haut zu entsorgen oder lagert sie im Bindegewebe und in schlecht durchbluteten Gelenkhäuten ein.

* Sammelbegriff für Multivitamine, Mineralien, Spurenelemente, Antioxidantien


3. Das typische Stress-Schönheitsszenario


Die typische Schönheitsszenario einer gestressten Frau mit unreiner Haut.
Nachfolgend siehst du wie Stress – falsche Ernährung und überlastete Ausscheidungsorgane deiner Gesundheit und deinem Aussehen schaden.

Es fehlt die Zeit, um frische Lebensmittel einzukaufen und zu kochen. Die Ernährung basiert hauptsächlich auf Fertigprodukten und fast food.
 Folge:
 Der Körper wird nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Haarausfall und brüchige Fingernägel sind die ersten Anzeichen dafür. Erste Hautunreinheiten zeigen sich.

Keine Zeit, um in Ruhe zu essen und das Essen ausreichend zu kauen.
Folge:
 Blähungen und Verdauungsbeschwerden machen sich bemerkbar.

Kaffee wird zum Lieblingsgetränk, um den Energiepegel oben zu halten. 
Folge:
 Kaffee steigert die Adrenalinproduktion und fördert einseitig die Entgiftungsphase 1. 
 Adrenalin macht Heißhunger auf Süßes und Fettes. Pölsterchen um die Hüften und am Bauch entstehen. Giftstoffe werden nicht vollständig abgebaut.

Durstgefühl wird nicht mehr richtig wahrgenommen. Anstatt Wasser werden Softdrinks und gerne auch mal ein Glas Wein zur Entspannung konsumiert. 
Folge:
Schlackenstoffe werden so nicht mehr ausreichend abtransportiert und vermehrt im Bindegewebe eingelagert. Ausgeprägte Cellulite entsteht. Alkohol belastet die Leber und schränkt sie in ihrer Funktion ein.

Bitterstoffe und andere wichtige bioaktive Stoffe wie Antioxidantien fehlen in unserer Ernährung.
Folge:
 Die Leber ist überlastet. Die Entgiftungsfunktion wird immer mehr eingeschränkt. Hormonelle Ungleichgewichte entstehen. Haaransätze und Haut werden öliger. Entzündete  Stellen und Pusteln, die lange brauchen, um zu heilen, werden immer mehr. Die Wundheilung ist verzögert.

Zeit für Sport und Ausgleich fehlt. 
Folge:
Ohne Bewegung und eine ausreichende Wasserzufuhr kann das Lymphsystem - „die Müllabfuhr des Körpers“- die anfallenden Abfallstoffe nicht mehr ausscheiden. Ausgeprägte Cellulite und Wassereinlagerungen sind deutlich sichtbare Zeichen dafür. 

Flacher Atem durch negative Gedanken, Emotionen und Anspannung 
Folge:
 Der Körper wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, es wird vermehrt Milchsäure gebildet, die Muskulatur verspannt, der Lymphfluss behindert und die Magen- und Darmbewegungen gehemmt.

Fazit: 
Du siehst, Stress wirkt sich nicht nur direkt auf die Haut aus, sondern auch indirekt. Der menschliche Körper ist ein zusammenhängendes Konstrukt. Fehlfunktionen in anderen Organbereichen werden auf der Haut sichtbar. Die Haut ist auf Nährstoffe angewiesen, die über den Darm aufgenommen werden. Entzündungsstoffe aus dem Darm gelangen über die Blutbahn zur Haut. Und ein intaktes Immunsystem ist wichtig für eine rasche Wundheilung. Akne ist kein Problem, das lediglich die Haut betrifft, sondern ihren Ursprung in einem körperlichen und seelischen Ungleichgewicht hat und sich über einen längeren Zeitraum entwickelt.